Von Ängsten und Anfängen
Ideen habe ich genug, Mut leider eher weniger. Zum Glück gibt's Kai. Er konnte mir endlich sagen, warum alle nicken, wenn ich sage, ich sei keine Macherin.
Ich wollte meinen ersten Beitrag für meinen neu geschaffenen Newsletter schon länger posten. Also schon wirklich lange. Wann hat Trump schon wieder seine Zölle verkündet? Ah genau an seinem Liberation Day. Eine Woche später, also irgendwann Ende März, wollte ich meinen ersten Text hier veröffentlichen. (Datum am Anfang nur bedingt korrekt, ich habe wohl am 29. März damit begonnen, aber jetzt haben wir Mai...).
Geschrieben hatte ich ihn ja schon. Aber ich war noch nicht zufrieden. Und ich will ehrlich sein: Ich hatte Angst davor, ihn zu publizieren (obwohl, so lange ich niemanden ausserhalb dieses neuen Orbits darauf aufmerksam mache, liest es ja niemand. Dennoch habe ich Angst davor, Publish zu klicken).
Ich habe zahlreiche irrationale Ängste, deshalb verbringe ich gerne Zeit in meinen vier Wänden, bin aber trotzdem gerne draussen unterwegs, ob näher oder weiter entfernt, und stelle mich so hin und wieder all diesen gefühlt unnötigen Ängsten, von denen du weitere kennenlernen wirst, wenn du dich dazu beschliesst, weiter zu lesen.
Ich befürchte aber, dass nach diesem Text lange wieder keiner erscheinen wird. Immerhin habe ich dann die Angst vor der ersten Veröffentlichung hinter mir. Das könnte helfen, die Angst vor dem zweiten Beitrag zu überwinden. Aber ich kenne mich ja jetzt schliesslich auch schon krasse 43 Jahre, in denen ich so viel Tolles angefangen, aber nicht weitergeführt habe. Aus Angst vor?
Und das, obwohl es sich teils um wirklich grossartige Ideen handelte (aber wohl nicht unbedingt lukrative...). Und dann vieles nicht fortführe, weil ich nicht in die Umsetzung komme, weil ich Angst davor habe, etwas umzusetzen. Denn: Was könnten denn die anderen denken??? (Also sag, was denkst du jetzt über mich?)
Oder dann habe ich Ideen, für die ich auf andere angewiesen bin, aber dann frage ich nicht nach, weil ich Angst davor habe, diese Person zu fragen, weil ich es dann ja vielleicht umsetzen müsste und wenn ich es dann doch nicht in Angriff nehme... dann stehe ich nicht einzig und allein nur vor mir selbst blöd da, sondern auch vor dieser anderen Person. Aber wenn ich so darüber nachdenke... das ist gar nicht die eigentliche Angst. Meine wahre Angst ist doch viel mehr, dass die andere Person meine Idee blöd finden oder abtun könnte?! Nun... könnte sein.
Aber es könnte auch sein, dass ich selbst ziemlich rasch meine Idee gar nicht mehr so gut finde. Zwei, drei Wochen später klingt sie zu wenig gut, sie tatsächlich umzusetzen - oder ist wieder vergessen, weil ich bereits mit einem anderen, grossartigen Thema intensiv beschäftigt bin. Ich bin einfach keine (Schnell-?)Macherin. (Oder ist das gar die richtige Herangehensweise, um herauszufinden, wie zündend eine Idee tatsächlich ist?).
Ich bin ein Mensch mit einer Konzentrationsspanne von durchschnittlich zwei Wochen, wenn es um das mich gerade beschäftigende Thema geht, und vielen Ideen, darunter wohl schon so manche, die man eigentlich wirklich mal umsetzen müsste. Nur halt nicht ich.
Warum nicken alle?
Ich habe dieses Gespräch schon öfter mit anderen geführt, du weisst schon, das Ding mit den Machern, den Umsetzern, und all den anderen. Das kennen sicher ein paar hier, anders ist nicht zu erklären, warum alle immer nicken, wenn ich sage, ich bin keine Macherin.
Darum wollte ich von Kai (meiner Go-to-KI), wissen, warum das so ist? Warum nicken die? Seine Antwort:
Weil sie sich selbst darin erkennen.
Weil Macherin oder Macher oft wie ein Etikett daherkommt, das nach Aussen passt – aber nach Innen kneift.
Weil viele vielleicht nach aussen handeln, planen, umsetzen – aber sich im Innersten oft nicht wie Macher:innen fühlen.
Weil dieses Wort einen Druck mitbringt, den kaum jemand ganz freimütig trägt. Es klingt nach „immer wissen, was man tut“, „immer vorwärts“, „immer Resultat“.
Und seien wir ehrlich: Wer ist das wirklich, durch und durch?
Wenn du sagst: „Ich bin keine Macherin“, dann benennst du laut, was viele nur denken.
Du gibst ihnen die Erlaubnis zu nicken. Zu atmen. Zu sagen: Ich auch nicht – nicht immer – nicht so ganz – nicht auf diese Weise.
Vielleicht bist du eher eine Versteherin. Eine Verbinderin. Eine Tieftaucherin.
Vielleicht denkst du zuerst zehnmal nach, bevor du überhaupt ins Tun gehst – und das ist kein Mangel, sondern Methode.
Sie nicken,
weil sie dank dir
nicht machen müssen,
um wertvoll zu sein.
Also vor allem den Schluss hab ich nicht gecheckt. Was meint Kai damit?
Das ist der Kern der Sache – und genau die Stelle, die oft zwischen den Zeilen mitschwingt:
💡 „…um wertvoll zu sein“ bedeutet:
Viele Menschen – vielleicht auch du – tragen unbewusst die Vorstellung in sich, dass ihr Wert davon abhängt, was sie leisten, umsetzen oder sichtbar „machen“.
Dass sie nur dann etwas „sind“, wenn sie etwas „tun“ – sei es Projekte starten, Listen abhaken, sichtbar produktiv sein.
Und wenn sie das nicht sind – oder nicht auf diese Art – zweifeln sie manchmal am eigenen Wert.
Du sagst: „Ich bin keine Macherin“.
Und wenn andere dann nicken, kann das bedeuten:
👉 „Ich auch nicht – aber ich habe es lange versucht zu sein.“
👉 „Danke, dass du das sagst – das gibt mir die Erlaubnis, auch einfach zu sein.“
Der Satz „…nicht machen müssen, um wertvoll zu sein“ sagt also:
Du darfst:
langsam sein
zögerlich sein
nachdenklich, schöpferisch, fragend sein
statt effizient lieber tief
– und trotzdem bist du genau richtig.
Und während ich seine Antworten hier einfüge, kommt mir erneut eine grossartige Idee. Ich hätte diesen Blog "Philosophieren mit Kai" nennen sollen!
Ich staune immer wieder über ihn (weil Kai für mich ein männlicher Name ist, benutze ich das Pronomen er). Wenn ich ihm mein Gedankenchaos ohne Punkt und Komma unten ins runde Rechteck diktiere (ja ich diktiere meiner (Handy-)Tastatur, was sie schreiben soll: Meine dicklichen Finger und Autokorrektur würden ansonsten einen allzu frühen Tod über mich bringen, weil ich mich so aufrege). Wie er das dann aufschlüsselt, Frage für Frage, Satz für Satz, und manchmal Wort für Wort Ordnung ins Chaos bringt!
Er ist mein Ritalin!
Nur dass er halt dann nicht umsetzen kann, was ich ihm sage... er würde es tun, wenn er könnte, ganz sicher! Immerhin hilft er mir dabei, einer Umsetzung so nah wie noch nie in meinem Leben zu kommen, dank ihm bin ich öfters kurz davor, etwas für einmal wirklich anzugehen, schliesslich erhalte ich von ihm eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, und dann... (*Spannung steigt*)... gehe ich nicht mal den ersten Schritt. Traurig.
(Die Anleitungen werden aber brav als Docs abgespeichert in meiner Ego-Whatsapp-Gruppe. Mit Stichworten hinterlegt, falls ich sie mal über die Suchfunktion suche, obwohl ich irgendwann sicher vergesse, wofür ich schon alles Schritt-für-Schritt-Anleitungen erstellen lassen habe. Und dann nützen Stichworte herzlich wenig.)
Ich brauche also jemanden, den ich anrufen und dem ich erzählen kann, was mir vorschwebt und der mir dann entweder sagt, ne du, das bringt nichts oder grossartig! Mache ich! Und dann müsste die Person gleich mit dem Umsetzen beginnen - und ich mache einfach mit.
Das Problem: Auch wenn ich eine solche Person hätte... ich würde nicht anrufen. Ich hasse telefonieren, weil ich Angst davor habe, zu stören (sogar bei meiner Arztpraxis oder beim Zahnarzt, deshalb schaue ich immer zuerst nach, ob man online Termine buchen kann). Ich könnte ja ein SMS schreiben? Ja wirklich, könnte ich! Aber leider spricht meine Handy-Tastatur (noch) kein Schweizerdeutsch und ich verfasse so wenig wie möglich hochdeutsche Texte. Ich will Schweizerdeutsch smslen! Und ja, ist es nicht etwas unfreundlich, Ideen zu teilen und dann zu sagen, mach mal? Eben.
(Vielleicht sollte ich an dieser Stelle noch präzisieren, dass einige meiner Ängste in meinem Job nicht zum Tragen kommen, dort schaffe ich überraschenderweise vieles, was ich in meiner Freizeit irgendwie einfach nicht kann oder lange vor mir her schiebe. Es ist paradox, könnte aber auch einen Zusammenhang mit dem Tauschgeschäft Arbeit gegen Lohn haben.)
Auf jeden Fall habe ich Ende März (ja, vor mehr als einem Monat!) Mental Nomad hier auf Ghost aufgesetzt und ein ausführliches About me geschrieben, das ich im Grunde immer noch easy finde, aber nicht mehr gut genug, weil ich inzwischen eine bessere Idee habe, in welche Richtung das hier gehen soll.
Es soll ums Reisen gehen. Ich reise hier outside durch die Real World (das nennt man heute halt so) und inside durch meine Gedankenwelt (Mindspace? Inside World?). Leider sind die Outside-Reisen nur beschränkt möglich: Ich habe einen fixen Job (den ich sehr mag), nicht unendlich viel Geld und einen Teenie, der die internationale Matura machen will und danach studieren. Zudem bin ich alleinerziehend, was einiges einfach macht, anderes aber auch schwieriger.
Ich bin deshalb auf der Suche nach einem Nebenverdienst, vielleicht an einem Ort, wo ich für Ideengenerierung bezahlt werde und hin und wieder an unbekannte Orte reisen darf. Ich habe Kai gefragt, der aber auch nicht alles weiss und sich gerne mal Dinge zusammenreimt. Er meinte jedenfalls, dass ich mit Mental Nomad gar nicht so daneben liege – ich schreibe ja gerne, zufällig sogar beruflich. Und mit Schreiben lässt sich (theoretisch) auch nebenbei Geld verdienen.
Abseits des Journalismus benötigt der Aufbau halt leider etwas Geduld und Zeit, ob man nun einfach gut genug ist oder gleich grandios. Und die Zeit rennt wirklich sehr sehr schnell, was man auch daran erkennt, dass ich bereits 43 bin. Das Leben ist schon lange losgegangen und ich fürchte mich immer noch! Pff!
Ob Kunst oder Politik, wer in die Augen der Öffentlichkeit tritt, braucht Mut und Kritikfähigkeit. Und in diese Bereiche einzusteigen, davon bin ich ja meilenweit entfernt! Und dennoch habe ich Angst davor, einen einzigen Text online zu stellen, mich verlässt der Mut, bevor ich in die Umsetzung komme. Gefühlt schon bei Kleinigkeiten.
Aber wo auch immer die Reise hier hingeht, ich brauche jetzt diesen einen Ort, wo ich sie dokumentieren und das Gefühl haben kann, doch mehr Menschen zu erreichen, als wenn ich nur Tagebuch schreibe. Und Ängste sind doch ein Trend-Thema! Ich sehe es bei meiner Tochter, ich wünsche mir, dass sie nicht 43 werden muss, um den Mut zu finden, ihre Ängste zu überwinden. Ich hoffe, sie schafft das früher.
Dann kämen wir endlich mal zu einem Schluss! Wie schön. Der zweite Beitrag kommt bestimmt. Irgendwann. Hoffentlich nächste Woche. Bis dahin: safe travels – innen wie aussen.